Ein Sturz ist schnell passiert – und gerade Bremsen sind eine der Komponenten, bei denen ich sofort hellhörig werde. Nach einem Sturz mit meiner Shimano 105-Bremsanlage (mechanisch oder hydraulisch, je nach Modell) überprüfe ich systematisch alles, bevor ich wieder Vollgas gebe. In diesem Beitrag beschreibe ich meine persönliche Prüfroutine, die Werkzeuge, auf die ich schwöre, und wann ich das Rad lieber zur Werkstatt bringe. Alles praxisnah, verständlich und ohne Fachchinesisch – so wie ich es selbst auf Tour brauche.
Was ich zuerst mache: Ruhe bewahren und eine saubere Sicht
Direkt nach dem Sturz räume ich das Rad an einen sicheren Ort und säubere die Bremsen grob mit einem Tuch. Schmutz, Blätter oder kleine Steinchen können optische Schäden verbergen. Danach nehme ich mir bewusst Zeit für die Sichtprüfung – gehetzt etwas übersehen ist oft gefährlicher als ein gerissener Bremshebel.
Erste Sichtprüfung (Schnell-Check, 5–10 Minuten)
Diese Punkte überprüfe ich sofort, um akute Gefahren auszuschließen:
Wenn eines dieser Teile massiv beschädigt ist, fahre ich nicht weiter. Sicherheit geht vor.
Hebel und Bremshebelarm: Was genau prüfen?
Shimano-105-Hebel sind meist robust, aber nach einem Sturz kann der Hebel verzogen oder die Oberfläche eingerissen sein. So gehe ich vor:
Bei hydraulischen Hebeln achte ich zudem auf ausgetretene Bremsflüssigkeit (Ölflecken am Hebel, feuchte Stellen). Falls Bremsflüssigkeit austritt: keine Reparatur unterwegs, ab nach Hause oder in die Werkstatt.
Bremsbeläge und Bremssattel: Was oft zu reparieren ist
Die Beläge sind bei Stürzen stark gefährdet — sie können verglast, asymmetrisch abgenutzt oder zersplittert sein. Ich entferne die Beläge (bei Scheibenbremsen) und kontrolliere:
Am Bremssattel schaue ich nach verbogenen Haltebacken, Rissen oder verschobener Führungsplatte. Wenn die Kolben klemmen (bei hydraulischen Systemen oft erkennbar, wenn nur ein Belag abstützt), reinige ich vorsichtig mit Bremsenreiniger und drücke die Kolben sanft zurück – aber nur, wenn kein Bremsflüssigkeitsleck vorliegt.
Rotor prüfen: die stille Gefahr
Ein verbogener oder rissiger Rotor reduziert nicht nur die Bremsleistung, er kann das ganze Laufrad beschädigen. Ich prüfe so:
Wenn der Rotor auf beiden Seiten stark schleift, schaue ich auch, ob die Bremssättel korrekt ausgerichtet sind.
Leitungen, Anschlüsse und Befestigungen
Hydraulikleitungen sollten keine Einschnitte oder Quetschstellen haben. Bei mechanischen Zügen achte ich auf ausgefranste Zughüllen oder beschädigte Endhülsen. Ebenso wichtig:
Bremsflüssigkeit und Entlüften (nur hydraulisch)
Nach einem Sturz kann Luft ins System gelangen oder Bremsflüssigkeit austreten. Ich prüfe den Hebelweg: fühlt sich der Hebel „schwammig“ oder deutlich weiter als sonst an, ist das ein Indiz für Luft im System. So gehe ich vor:
Entlüften ist kein Hexenwerk, aber sauberkeit und Geduld sind gefragt. Wenn du unsicher bist, lass das in der Werkstatt machen.
Feinabstimmung: Sattel ausrichten und Beläge justieren
Ist alles intakt, richte ich die Bremsen präzise aus:
Kurzer Funktionstest und Probefahrt
Bevor ich wieder aufs Rennen oder auf die Tour gehe, mache ich einen kurzen Test:
Fühlt sich etwas nicht richtig an – vor allem ruckartig oder unsicher – beende ich die Fahrt und überprüfe erneut oder fahre in die Werkstatt.
| Schadenszeichen | Aktion |
|---|---|
| Gerissener Hebel | sofort ersetzen, nicht weiterfahren |
| Hydraulikleck | keine Weiterfahrt, Werkstatt |
| Verbogener Rotor (kleiner Schlag) | richten, testen |
| Verbogener Rotor (starker Schlag) oder Risse | Rotor ersetzen |
| Ölige Beläge | Beläge ersetzen, Rotor prüfen/reinigen |
Wann ich das Rad zur Werkstatt bringe
Ein paar Dinge müssen Profis erledigen: Rahmen- oder Gabelschäden, gerissene Bremsleitungen, komplizierte Kolbenprobleme oder wenn du beim Entlüften unsicher bist. Ich bringe mein Rad auch dann weg, wenn ich nach der eigenen Kontrolle noch Zweifel an der Bremswirkung habe. Am Ende zählt nur eins: dass ich mich auf jede Bremse hundertprozentig verlassen kann.
Wenn du möchtest, kann ich in einem weiteren Beitrag meine Lieblingswerkzeuge und ein kleines Notfall-Kit für unterwegs auflisten – das habe ich meist im Satteltasche oder im Anhänger dabei. Schreib mir einfach, was dich am meisten interessiert: Hebel, Entlüftung, oder ein Schritt-für-Schritt-Video zur Ausrichtung der Bremssättel.