Ernährung

Wie du bei mehrstündigen graveltouren die richtige kraftstoffmischung (kohlehydrate+elektrolyte) berechnest, um cramping und energielöcher zu verhindern

Wie du bei mehrstündigen graveltouren die richtige kraftstoffmischung (kohlehydrate+elektrolyte) berechnest, um cramping und energielöcher zu verhindern

Als leidenschaftliche Gravel-Fahrerin kenne ich das Gefühl: nach zwei, drei Stunden auf dem Rad meldet sich plötzlich ein Energieloch, die Beine werden schwer oder Krämpfe schießen in die Waden. Mit einer durchdachten Kraftstoffmischung aus Kohlenhydraten und Elektrolyten kannst du das weitgehend verhindern. In diesem Artikel erkläre ich dir, wie ich meine Ernährung für mehrstündige Graveltouren berechne, welche Faustregeln ich nutze und wie du die Werte auf dein persönliches Tempo anpasst.

Warum Kohlenhydrate und Elektrolyte auf Gravel-Touren so wichtig sind

Kohlenhydrate sind die Hauptenergiequelle bei intensiveren Belastungen. Sind deine Glykogenspeicher leer, kommt das berühmte „Bonk“ oder Energieloch. Elektrolyte (insbesondere Natrium, Kalium, Magnesium) regulieren die Muskel- und Nervenfunktion — fehlen sie, steigt das Risiko für Krämpfe.

Auf Schotterwegen mit wechselndem Tempo sind Verbrauchsspitzen normal: kurze, harte Anstiege, technisches Fahren, Windpassagen. Deshalb reicht es nicht, nur vor der Tour viel zu essen; eine kontinuierliche Zufuhr unterwegs ist die beste Prävention.

Grundprinzip: Wie viel Kohlenhydrate pro Stunde?

Als Ausgangspunkt nutze ich folgende Faustregel, die von Sporternährungsforschung gestützt wird:

  • 60 g Kohlenhydrate pro Stunde sind für viele Fahrer ein guter Kompromiss (bis etwa 2,5–3 Stunden Belastung).
  • Bei längeren oder intensiveren Einheiten (und wenn dein Magen gut trainiert ist) sind 90 g pro Stunde möglich, durch mehrere Zuckerarten (Glukose + Fruktose).
  • Für moderate, lange Touren reicht oft auch 40–50 g pro Stunde.

Ich persönlich fahre Gravel-Touren mit wechselndem Intensitätsprofil und peile meistens 60–75 g Kohlenhydrate pro Stunde an. Das ist für mich ein guter Kompromiss zwischen Magenverträglichkeit und Energieversorgung.

Wie berechne ich die Gesamtmenge für meine Tour?

Formel, die ich verwende:

Gesamt-Kohlenhydrate (g) = Stunden × Ziel-kohlenhydrate pro Stunde (g)

Beispiel 1 — mittellange Tour: 4 Stunden × 60 g/h = 240 g Kohlenhydrate insgesamt.

Beispiel 2 — lange Ausfahrt: 6 Stunden × 70 g/h = 420 g Kohlenhydrate insgesamt.

Wichtig: Das ist die Menge, die du während der Fahrt aufnehmen solltest — zusätzlich zu einer kohlenhydratreichen Mahlzeit 2–3 Stunden vor dem Start (z. B. 60–90 g Kohlenhydrate je nach Größe und Magen).

Praktische Umsetzung: Getränke, Gels, Riegel, Snacks

Ich mische meistens folgende Kombination, weil sie praktisch ist und für mich gut funktioniert:

  • Trinkflasche mit selbstgemischtem Elektrolyt-Getränk (siehe Rechnung unten)
  • Gels oder flüssige Kohlenhydratquellen für schnellen Zugriff (z. B. Maurten, SIS Go Isotonic)
  • Riegel oder weiche Snacks (Honig-Sandwich, Bananenstückchen) für längere Sättigung

Eine typische Stunde bei mir sieht so aus: 500–700 ml Flüssigkeit (bei moderater Temperatur) mit ~60 g Kohlenhydraten: das kann erreicht werden durch 500 ml Sportdrink mit 40–50 g KH plus ein 20 g-Gel.

Rezept und Berechnung für ein Electrolyt-Kohlenhydrat-Getränk

Ich mische gern selbst: so kann ich die Kohlenhydratkonzentration und den Natriumgehalt genau steuern.

KomponenteMengeKohlenhydrate / Elektrolyte
Wasser1 Liter-
Traubenzucker (Dextrose)40 g40 g KH
Fruktosesirup / Agavendicksaft20 g20 g KH (andere Monosaccharidart)
Elektrolytpulver (z. B. Nuun, High5)1 Messlöffel~300–600 mg Natrium + K, Mg (Herstellerangabe)
Optional: Prise Salz0,5–1 g~200–400 mg Natrium

Das ergibt ca. 60 g Kohlenhydrate pro Liter. Wenn ich 500–750 ml pro Stunde trinke, deckt das 30–45 g KH. Zusätzlich nehme ich ein Gel (20–30 g) oder kleine Riegel zu, um auf 60–70 g/h zu kommen.

Elektrolyte konkret: wie viel Natrium und Magnesium?

Empfehlungen (pro Stunde, grob):

  • Natrium: 300–700 mg pro Stunde (abhängig von Schweißrate und Hitze)
  • Kalium: 100–200 mg pro Stunde
  • Magnesium: 20–50 mg pro Stunde (nicht übertrieben dosieren)

Ich messe meinen Schweiß nicht im Labor, aber ich weiß aus Erfahrung: bei heißen Bedingungen und starkem Schwitzen nehme ich bewusst mehr Natrium (durch Salz, Brühe, spezielle Tabs). Auf kühlen Tagen weniger.

Timing: Wann nehme ich was?

  • Vor der Fahrt: 200–300 ml kohlenhydratreiches Getränk 15–30 Minuten vor dem Start oder eine kleine Mahlzeit 2–3 Stunden davor.
  • Start bis 1. Stunde: 30–45 g KH zur Gewöhnung des Magens, Elektrolyte moderat.
  • Alle folgenden Stunden: 60–75 g KH/h (oder dein individueller Wert), kontinuierliche Flüssigkeitszufuhr alle 10–20 Minuten.
  • Bei Hitze: erhöhe Natriumaufnahme (z. B. Salzstangen, Brühe, Natrium-Tabs).
  • Bei Krampfneigung: kleine Magnesium-Dosis vor und ggf. während der Fahrt sowie mehr Natrium.

Beispiel-Plan für eine 5-stündige Graveltour

StundeGetränkZusatzKH gesamt (g)
0 (vor Start)200 ml kohlenhydrathaltiges Getränk20–30
1500 ml Elektrolyt-Getränk (30 g KH)Gel 20 g50
2500 ml Elektrolyt-GetränkRiegel 25 g55
3500 ml Elektrolyt-GetränkGel 20 g50
4500 ml Elektrolyt-GetränkBananenstück 20 g50
5300–500 ml bei BedarfSalz oder Brühe bei Krämpfen20–40

Summe: ca. 245–280 g KH während der Fahrt + Vorstart-Zufuhr — das entspricht ~50–60 g/h über 5 Stunden mit Strategie für Elektrolyte.

Tipps zur Magenverträglichkeit und Training

  • Trainiere deine Magenverträglichkeit: nimm ähnliche Getränke und Gels auch bei Trainingsausfahrten.
  • Variation der Zuckerarten (Glukose + Fruktose) erhöht die Aufnahmegeschwindigkeit und reduziert Magenprobleme.
  • Vermeide zu dichte Riegel in heißen Phasen — flüssige Energie geht oft besser rein.
  • Wenn du Krämpfe spürst, erhöhe sofort Natrium und reduziere kurzzeitig die Intensität.

Auf meinen Touren haben sich Marken wie Maurten (für hohe Konzentrationen mit guter Verträglichkeit), SIS (isotonische Gels) und Nuun (Elektrolyt-Tabs) bewährt — aber das Wichtigste ist, dass du dein System zuhause oder im Training ausprobierst, bevor du dich auf eine lange Tour verlässt.

Wenn du möchtest, rechne ich dir gerne deine persönliche Kohlenhydratplanung durch — sag mir deine erwartete Tourdauer, Intensitätsniveau (locker/moderat/hart) und ob du viel oder wenig schwitzt. Dann passe ich die Zahlen an dein Profil an.

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